Nach aktueller Einschätzung sind sämtliche Rosskastanien (Aesculus hippocastanum L.) letal gefährdet und werden aus dem Stadtbild Hamburgs gänzlich verschwinden. Wenn dies zutreffen sollte, müssen Entscheidungen für geeignete Ersatzpflanzungen getroffen werden. Nicht an allen bisherigen Standorten von Rosskastanien wird die gleiche Baumart als Ersatzpflanzung geeignet sein, auch nicht Aesculus carnea, die Rotblütige Rosskastanie. Berücksichtigt werden müssen vor allem ästhetische, mikroklimatische Faktoren sowie Pflegeanforderungen der in Frage kommenden Baumarten. Den zuständigen Ämtern steht eine fortlaufend aktualisierte Straßenbaumliste der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz e.V. (GALK) zur Auswahl zur Verfügung. In dieser Liste sind die Erfahrungen der Gartenamtsleiter dokumentiert; sie berücksichtigt die Standortanforderungen in urbanen Räumen (Mikroklima, Bodenverdichtung, Trockenstress u.a.m.), immer auch unter dem Gesichtspunkt der Kosten des Pflegeaufwandes. Dieser Liste wäre sicherlich zu wünschen, dass der Faktor „Beitrag zur biologischen Vielfalt im städtischen Ökosystem“ aus der Perspektive des Naturschutzes, z.B. Entomologen, eingearbeitet würde. Weiterhin sind nur sehr wenige Obstbäume (Malus, Prunus, Pyrus), überwiegend eher schwächer wüchsige Wildsorten, aufgeführt, was wahrscheinlich dem Kriterium Pflegeaufwand geschuldet ist.
Gartenbauamtsleiter müssen faktisch in einem Umfeld „öffentlicher Armut“ das Grün in der Stadt, darunter die Bäume, schaffen und erhalten. Mit politischer Unterstützung und Übernahme von Patenschaften kann eine bessere Stadtlandschaft entstehen. Im konkreten Fall des Verlustes der Rosskastanien im Raum Hamburg gilt es, die Eignung von Juglans regia als eine mögliche Ersatzpflanzung zu testen.
Nach Sichtung einschlägiger Fachliteratur und angeregt durch die bewusste Beobachtung der großen Zahl von Rosskastanien in Parks, auf Friedhöfen, auf öffentlichen Plätzen und an Straßen halte ich an vielen Standorten die Pflanzung von Walnüssen in der Nachfolge von Rosskastanien für sehr geeignet. Sie erreichen im ausgewachsenen Zustand ein der Rosskastanie ähnliches Erscheinungsbild und gehören zu den langlebigsten einheimischen Baumarten.
Walnussbäume wurden während der beiden Weltkriege in großem Maßstab gefällt, das Holz wurde für die massenhafte Produktion von Gewehren benötigt. Sie verschwanden aus dem öffentlichen Raum und wurden kaum nachgepflanzt, denn sie waren überwiegend nicht plantagenmäßig im Erwerbsanbau.
Mindestens zwei Baumschulen im norddeutschen Raum haben sich darauf spezialisiert, klimatisch geeignete Walnusssorten zu vermehren. (Thorsten Glock, Südflora, http://www.suedflora.de und https://www.walnuss24.de/; http://www.landwirtschaft-boellersen.de/walnussmeisterei/). Selbst regionale Sorten werden inzwischen angeboten: Finkenwerder Deichnuss Royal (Riesennuss!). Zumindest auf öffentlichen Plätzen, auf Friedhöfen und Parks spricht vieles dafür, wieder Walnüsse zu pflanzen. Ihr Pflegebedarf ist mäßig (Aufasten), wenige Einschränkungen hinsichtlich des Bodens und schließlich die soziale Funktion der „freien“ Ernte im öffentlichen Bereich. Kinder werden Walnüsse ebenso gerne wie Rosskastanien sammeln.
In einer Straße Hamburgs (Notkestraße in Bahrenfeld) haben Walnussbäume als Straßenbegleitbäume wahrscheinlich seit fast einhundert Jahren (einschließlich Nachpflanzungen) überlebt. In der Notkestraße werden seit kurzem abgängige Walnussbäume durch die Schwarznuss (Juglans nigra) mit der Begründung ersetzt, J. nigra beeinträchtige das Straßenprofil durch den kräftigen aufrechten Wuchs weniger als J. regia. Dieses Argument halte ich (und andere) jedoch nicht für ausreichend stichhaltig, denn durch gelegentliche Schnittmaßnahmen (in mehrjährigem Abstand) gab es über viele Jahrzehnte keine Probleme mit der Walnuss. Außerdem ist die bereits genannte soziale Funktion des Walnussbaumes keinesfalls zu unterschätzen. (Hinweis von Peter Klock).
Quellen: Horst Schaarschmidt, Die Walnussgewächse, VerlagsKGWolf Nachdruck 2014, Magdeburg 170 S. ISBN 978 3 89432 311 0
http://www.lwf.bayern.de/mam/cms04/service/dateien/w60-beitraege-zur-walnuss.pdf
http://www.landwirtschaft-boellersen.de/walnussmeisterei/).