Diese umfassende Dokumentation der Vielfalt der Straßenbäume in London benennt jeweils die vielen Standorte einer Baumart und zeigt Aufnahmen von weit über einhundert Baumarten an den unterschiedlichsten Standorten in London. Jede Baumart wird auf geeignete Standortwahl angesichts der jeweiligen urbanen Gegebenheiten, die wahrscheinliche Wirkung des zu erwartenden Klimawandels, den Pflegeaufwand, den Beitrag zur Biodiversität und Eignung der jeweiligen Wuchsformen bewertet. Auch die Einwände gegen bestimmte Baumarten, wie die Linde, seitens parkender Autobesitzer werden benannt
In vierzehn Einschüben werden die Geschichte der Straßenbäume <Unterschied zu Parkbäumen>, die Organisation von Pflanzungen, die Verwendungsmöglichkeiten des Holzes von Straßenbäumen, die zunehmende Bedeutung von hybriden Arten für die Pflanzung in Städten, die Bedeutung für die Biodiversität, darunter der Hinweis auf die insektenfreien Platanen, in England die klassischen Parkbäume, und schließlich Empfehlungen für geeignete Arten angesichts des absehbaren Klimawandels in London. Sehr hilfreich ist ein Blütenkalender aller Arten der Londoner Straßenbäume, der für jeden Monat des Jahres Blüten von abgebildeten Straßenbäumen aufweist. Fünf ausgewählte Spazierrouten entlang interessanter Straßenbäume machen diese Präsentation der Straßenbäume auch für Besucher Londons interessant.
Eine gründliche Auswertung dieser Dokumentation der Londoner Straßenbäume bietet sich für Hamburg an, da es nur zwei Breitengrade nördlicher liegt, aber ebenfalls dem Bereich atlantisch beeinflussten Klimas zuzuordnen ist. Gegenüber London hat Hamburg in Hinblick auf Straßenbäume deutlich Nachholbedarf, auch angesichts der zu erwartenden Klimaveränderungen. Was heute in London gedeiht, wächst auch in Hamburg in spätestens wenigen Jahren.
Die Londoner Studie der Straßenbäume macht deutlich, dass der gesamte Baumbestand als Kapital der Stadt betrachtet werden muss und die „urban foresters“ hierfür ein Verfahren der Preisermittlung „CAVAT“ entwickelt haben, das u.a. bei Erstattung von Fällungen für private Projekte zur Anwendung kommt. Dadurch wird deutlich, dass der Verlust durch Fällung eines großen alten Baumes mit der Pflanzung eines neuen jungen Baumes in der Kapitalbilanz bei weitem nicht ausgeglichen wird.
Zwar werden auch in Hamburg bei entsprechenden Erstattungen Bewertungen vorgenommen, aber in der Bürgerschaft werden nur Fällungen von Straßenbäumen und Neupflanzungen plakativ verrechnet, statt die Folgen für die Kapitalbilanz der Hamburger Straßenbäume in den Blick zu nehmen.
Für eine vierte überarbeitete Auflage dieses gelungenen Führers für London bietet sich an, zu allen vorgestellten Baumarten Daten eines Biodiversitätsindexes für Baumarten einzufügen, wie er 2021 z.B. von Forscher*innen aus Österreich und der Schweiz vorgelegt worden ist. <https://buntundartenreich.at/upload/file/2021_BE_StadtbaumBiodivIndex_SWILD_GSZ_20211209def.pdf>
Eine strategisch angelegte Planung des zu schaffenden Grüns in Hamburg sollte darüber hinaus dem innovativen Verfahren folgen, das Christian Kölling für eine zukunftsorientierte Entwicklung der Wälder im Verlaufe dieses Jahrhunderts in der Region Nürnberg verwendet hat. Anhand von aktuellen Voraussagen der Klimaerwärmung in Verlaufe dieses Jahrhunderts im Raum Nürnberg hat er „Zwillingsregionen“ für die jeweilig prognostizierte Klimaerwärmung ermittelt, in denen weiter südlich bereits heute die jeweils vorausgesagten Temperaturen herrschen. In diesen Regionen hat er die dortigen Wälder in Hinblick auf die vorkommenden Baumarten und die Waldvegetation untersucht, um zu ermitteln, wie sich Wälder im Raum Nürnberg in der Zukunft voraussichtlich verändern bzw. verändert werden müssen.
Für Hamburger Straßenbäume und die städtische Vegetation insgesamt hieße das, südlich gelegene „Zwillingsstädte“ zu ermitteln, in denen heute bereits das für Hamburg jeweils vorausgesagte Klima herrscht, um notwendige vorausschauende Änderungen der städtischen Vegetation, vor allem bei Straßenbäumen und Hecken, bei den Planungen des städtischen Grüns in Hamburg bereits heute in den Blick zu nehmen.
Peter Lock, August 2024