Bei dieser Publikation handelt es sich um ein Standardwerk, dessen Autor beginnend 1956 zahlreiche Fachaufsätze zu einzelnen Aspekten, auch zu eigenen Testpflanzungen, im Verlauf der Jahrzehnte veröffentlicht hat. Ein Schwerpunkt des ausführlichen Kapitels zu Unterlagen aller Obstsorten sind Äpfel und Birnen. Art und Zustand des Bodens bestimmen die Tiefe der Wurzeln und zwar unabhängig von der Wuchsform. Apfelbäume sind grundsätzlich Flachwurzler und können bei optimalem Boden und Bodenfeuchtigkeit bis zu drei Meter tief wachsen, und zwar unabhängig von der Wuchsform. „The dwarfing rootstock does not necessarily have a shallow root system as earlier supposed. Dwarf apple stock M 9 was found to root as deeply as did vigorous stocks in the same soil.” (S.132)
Eine zentrale Voraussetzung für Wurzelwachstum ist die Belüftung des Bodens in den jeweiligen Tiefen. Niedrige O2 und hohe CO2 Werte können das Wachstum der Wurzeln verlangsamen oder stoppen und verhindern die Nährstoffaufnahme. Obstbäume vertragen fehlenden Sauerstoff im Boden sehr schlecht, das heißt, sie vertragen z.B. Überflutung und starke Nässe nur kurze Zeit und sterben bei länger andauernder Nässe ab. Pflaumen vertragen Bodennässe länger als andere Obstsorten.
Zur Standfestigkeit benötigen kleinwüchsige Unterlagen eine Stütze. Die schlechte Standfestigkeit rührt von spröden Wurzeln und nicht etwa von besonders flachen Wurzeln, denn Testpflanzungen zeigen, dass kleinwüchsige Unterlagen in geeignetem Boden genauso tief reichen, wie die Wurzeln von Hochstämmen.
Im Verlauf dieses umfangreichen Kapitels werden die Eigenschaften von Unterlagen für zahlreiche weitere Obstsorten in allen Anbauregionen der Erde erfasst. Es gibt einige Hinweise auf Unterlagen, die tiefer wurzeln. Von Bedeutung ist dies im Falle von Haselnüssen. Corylus colurna, eine türkische Variante, wurzelt besonders tief. Auch bei Weinsorten gibt es für bestimmte Bodenarten besonders gut geeignete Unterlagen. (S.157f.)
Auf der Grundlage des Befundes von Westwood müsste der Anbau von verschiedenen Obstsorten in städtischen Räumen auch bei voran- schreitendem Klimawandel mit langen Trockenperioden gelingen, wenn der potenzielle Wurzelraum bei der Pflanzung mit optimalem Boden aufgefüllt wird, sodass die Wurzelbildung bis in Feuchtigkeit haltende Schichten erfolgen kann.
Eine solche Vorgehensweise ist sicherlich sehr aufwendig. Wie beim Sickergrubenbau müsste zunächst ein tiefer Aushub erfolgen, der dann mit „optimalem Boden“ verfüllt wird. Aber angesichts der unabdingbaren Entsiegelung und umfangreicher Begrünung städtischer Räume, um das Leben in diesen Wärme- oder besser Hitzeinseln im unaufhaltsamen Klimawandel langfristig zu sichern, wird der erhebliche Aufwand für eine sichere Pflanzung notwendig sein.
Die Erwartung, dass der beschriebene Aufwand bei der Pflanzung eine „obstreiche Begrünung“ städtischer Räume im Klimawandel sichert, ist zu testen. Daher müsste es eine Aufgabe für Pomolog*innen sein, ent-sprechende Tests durch Forschungseinrichtungen anzuregen und zu begleiten.
September 23, Peter Lock