In der Serie „Führer für Forstwirte“ hat das französische Institut für Forstentwicklung diese zweite Auflage eines umfassenden Plädoyers für eine Renaissance der Castanea sativa in ihren verschiedenen forstwirtschaftlichen Nutzungen in ganz Frankreich im Jahre 2004 veröffentlicht. Beachtung in der Fachdiskussion fand diese Baumart erst wieder seit den frühen achtziger Jahren. Eine erste Auflage im Jahre 1992 hat zu intensiven forstwirtschaftlichen Untersuchungen geführt, deren Erkenntnisse Eingang in diese umfassend erweiterte 2. Auflage gefunden haben.
Sozialgeschichtlich tritt die Castanea sativa in Frankreich zur Römerzeit in Erscheinung, wahrscheinlich im Gefolge des Weinbaus (Produktion von Stecken, aber erst Jahrhunderte später zum Fassbau) und noch nicht zur Ernährung. Erst nach dem Rückgang der Bevölkerung im frühen Mittelalter (Pest und andere Seuchen) gewinnt die Esskastanienkultur an Bedeutung für die wieder wachsende Bevölkerung als Grundnahrungsmittel und Baumaterial in ärmeren ländlichen Gebieten. Denn der Ernährungswert pro Hektar war bei Esskastanien deutlich höher als beim Anbau von Getreide, dessen Produktivität erst im 19. Jahrhundert massiv gesteigert wurde.
Während Klöster und Adlige mit Eichenholz bauten, sprach man von der Esskastanie als dem „Brot der Armen“ und dem „Holz der Armen“, was die C.- sativa bis in die ärmeren Bergregionen brachte. Erst mit der Einführung der Kartoffel und des Mais (in südlichen Regionen) verlor die Esskastanie ihre Bedeutung als „Grundnahrungsmittel“. Während in Italien die Produktion von Esskastanien für traditionelle Gerichte aufrecht erhalten blieb, rückte in Frankreich die Produktion Holz für die Verhüttung von Erzen, für die Gewinnung von Gerbstoffen und die Bedarfe im Weinbau in den Mittelpunkt.
Zusammenfassend wird angenommen, dass die Verbreitung der C.- sativa in Frankreich und Europa im Gegensatz zu allen anderen Forstarten eine Folge menschlicher Aktivitäten unterschiedlicher Art ist und sich nicht eigenständig als Baumart durchgesetzt hat.(S.21 + 29) Ein weit in den Norden reichendes Beispiel findet sich in der englischen Version von Wikipedia unter https://en.wikipedia.org/wiki/castanea_sativa. Diese Baumart wurde im 18. Und 19. Jahrhundert zur Landschaftsgestaltung in England verwendet. Die Karte heutiger Bestände belegt dies auch für Schottland und Irland. Bis zum 55. Breitengrad gilt die Baumart als fruchtend.
Kapitel 1: Vom Samen zum Baum
Bodenständig in Europa ist Castanea sativa Mill; aus den USA stammt Castanea dentata; aus Japan Castanea crenata; aus China Castanea mollissima. Die chinesischen und japanischen Varianten wurden Ende des 19. Jahrhunderts wegen ihrer Resistenz gegen die „Tintenkrankheit“ eingeführt. Als Klone vermehrt gibt es zahlreiche hybride Sorten, bedeutend darunter Marigoule 15 (CA15) als Obst- und Forstbaum. Die männlichen und weiblichen Blüten der Esskastanie befinden sich auf dem gleichen Baum, sind aber autosteril, d.h. zur Befruchtung sind zwei Bäume erforderlich. Sie gedeiht nicht auf Kalkböden.
Als Samen legt man die Kastanien flach in die Erde, weil sowohl die Wurzel als auch der oberirdische Trieb aus der Spitze hervortreten. Die jungen Triebe dürfen nicht beschnitten werden, da es sonst zur Bildung von Wassertrieben kommt. Blüten und Früchte befinden sich nur an frischen Trieben, die Pflanzen fruchten bereits im dritten Jahr. Der Ertrag ist in warmen und trockenen Jahren hoch, hingegen schlecht, wenn die Blüte verregnet. Die Krone braucht viel Sonnenlicht, weshalb Auslichten günstig ist. Eine Besonderheit der C.- sativa ist, dass es bei Alterung zum Absenken der Krone kommt, die sich tiefer am Stamm neu bildet. Bei Obstkulturen mit Holznutzung wird sogar der Stamm auf ca. 3m abgenommen, um sich dann neu auszubilden. Die Bäume können sehr alt werden, mehrere hundert Jahre, aber sie fruchten auf der Obstwiese etwa 150 Jahre und im Wald 70 Jahre. Die Baumart hat eine gute Fähigkeit zur natürlichen Verjüngung des Bestandes.
Frost und Trockenheit sind ungünstig, im Hinblick Wachstum und Früchte sind Spätfröste ungünstig, frühe Fröste im Herbst schaden dem Ausreifen der Früchte. Eine Jahresniederschlagmenge von 700 mm ist ausreichend. Sowohl Sand wegen Trockenheit als auch Staunässe sind ungünstig wegen der Tintenkrankheit, die durch Wurzelkontakt übertragen wird. Leicht saure Böden pH 5,5 werden gut vertragen. In Spanien gedeiht die Esskastanie bis auf 1600 m in der Sierra Nevada und auf 1200 m in den Pyrenäen. Auch wenn die Anforderungen an die Qualität des Bodens eher gering sind, ist der Ertrag auf feuchten guten Böden höher.
2. Kapitel: Vom Baum zum Wald
In Frankreich ist C.- sativa mit einer geschätzten Fläche von 920 000 ha der dritthäufigste Laubbaum, davon fast 100 % in privatem Besitz. Aber nur 190 000 ha werden intensiv bewirtschaftet, ein Drittel der Anbaufläche wird gelegentlich bewirtschaftet, ein Viertel bleibt ohne forstwirtschaftliche Nutzung und der Rest etwa ein Fünftel wird gänzlich vernachlässigt. Die Schätzungen der jährlichen Holzproduktion setzen sich zusammen aus: industrielle Verarbeitung (Papier, Pressholz, Holzkohle) 700 000 bis 900 000 Kubikmeter; industrielle Bearbeitung (Stecken, Pfähle, Fassholz) 220 000 bis 250 000 Kubikmeter; Stammholz (1/3 Parkett, 1/3 Möbel e.t.c., 1/3 Export) etwa 300 000 Kubikmeter. Aus diesen Zahlen ergibt sich, dass das Potenzial der vorhandenen Flächen längst nicht ausgeschöpft wird (S.83). In der forstwirtschaftlichen Vernachlässigung großer Flächen wird die Gefahr der Ausbreitung von Krankheiten auf benachbarte Flächen gesehen. Wirtschaftlich wird eine Orientierung auf die Produktion von Stammholz empfohlen.
Diese Baumart zeichnet sich durch weit überdurchschnittlichen jährlichen Zuwachs bester Holzqualität aus. Die forstwirtschaftliche Reproduktion des Edelkastanienbestandes in Frankreich geschieht über die Ausschläge der Wurzelstöcke wie bei der historisch mit dem Weinbau verbundenen Niederwaldkultur in zehnjähriger Erneuerung (Umtrieb). Heute findet solches Holz zur Fertigung von Gartenzäunen, Pfählen etc. zunehmend Nachfrage, da es ohne Behandlung äußerst haltbar ist. Mittels Ausdünnung und Unterdrückung nicht leistungsstarker Wurzelstöcke werden andere forstwirtschaftliche Produktionsziele in dreißig (z.B. Telegraphenmasten, Bauholz) oder fünfzig Jahren (Stammholz zur Bearbeitung in Sägewerken) erreicht.
Bei etwa 200 000 ha sei eine Umorientierung durch Ausdünnen und Abtöten überalterter Wurzelstöcke umgehend möglich. Weitere 250 000 ha ließen sich zur forstwirtschaftlichen Nutzung im Niederwaldmodus in Wert setzen.
Die Ermittlungen zur jeweiligen Bedeutung der C.- sativa in anderen europäischen Ländern kurz nach der Jahrtausendwende werden auf einer Europakarte (S.86) wiedergegeben und für einzelne Länder genauer beschrieben.
Italien: Gesamtfläche 765 000 ha, davon Forst 530 000 ha <480 000 Niederwaldkultur, 15 000 ha Hochwald, 35 000 ha vernachlässigte Flächen>, Obstanlagen 235 000 ha, davon 100 000 ha bewirtschaftet. Die jährliche Holzgewinnung ist bedeutend und schwankt um 800 000 Kubikmeter (ohne Feuerholz). Aufgrund der geraden Wuchsform bedeutend für Telegrafenmasten, für die sonstige industrielle Verarbeitung werden 43 000 Kubikmeter zusätzlich importiert.
Spanien: Historisch stand die Produktion von Kastanien im Vordergrund und Holzgewinnung war nachrangig. Im 19. Jahrhundert expandierte die Niederwaldkultur in Katalonien und Asturien. Zahlreiche Flächen wurden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf Holzgewinnung und auf Niederwaldkultur umgestellt. 100 000 ha dienen der Holzproduktion, davon jeweils die Hälfte in Niederwald und Hochwald, zur Fruchtproduktion dienen knapp 40 000 ha. Die Aufgabe von Landwirtschaft in Gebirgsregionen (in Andalusien gibt es Bestände bis in
1 200 m und in Extremadura sogar bis 1500 m) führt zu vernachlässigter Infrastruktur, sodass abgeholzte Fruchtbäume häufig nicht zu einer Verwertung gelangen. In Gebieten mit Kastanienanbau wird eine interessante Mischung aus Fruchternte und Holzgewinnung praktiziert. Die Stämme werden nach etwa 30 Jahren auf drei Meter Höhe abgenommen und eine neue Krone herangebildet. Gegenwärtig wird massiver Druck seitens der Papier- und Pressholzindustrie ausgeübt, aufgegebene Flächen mit Eukalyptus und Kiefern aufzuforsten, während die EU aus umwelt- bzw. klimatischen Gründen Aufforstungen mit C.- sativa fördert.
Portugal: Die Forststatistik 2001 weist etwas mehr als 40 000 ha C.- sativa aus, was eine Steigerung von 25 % in nur 12 Jahren bedeutet. Sie ist den EU-Subventionen zur Aufforstung von aufgegebenen Äckern geschuldet. Ähnlich wie in Spanien werden die Hochstämme in der Kastanienproduktion zur Holzgewinnung auf drei Meter „geköpft“, um hernach eine neue Krone zu bilden. Angesichts eines jährlichen Imports von Kastanienholz in Höhe von 60 000 t erscheint die deutliche Erhöhung der Anbaufläche angemessen.
Griechenland: Es gibt nur etwa 33 000 ha reinen Bestandes mit C.- sativa, ein erheblicher Teil auf dem heiligen Berg Athos, der von den Mönchen sowohl nach 25-30 Jahren als auch nach 40 Jahren gefällt wird und mit den Ausschlägen in einen neuen Zyklus geführt wird. Die weiteren Bestände finden sich in Mischwäldern zumeist mit Eichen und in höheren Lagen mit Buchen. Mit EU-Geldern finanziert gibt es seit 1990 bedeutende neue Aufforstungen mit C.- sativa.
Schweiz: Es gibt 3 500 ha mit ehemaligem Esskastanienanbau und 23 500 ha für Holzgewinnung und zwar vorzugsweise dicke Stämme (20-30 cm Durchmesser) für Lawinenschutzbau. Man strebt an, durch intensiveres Auslichten Stämme mit 30-40 cm Durchmesser in 35-40 Jahren bei 800-1200 Stämmen pro Hektar zu erzielen. Weitere Bäume gibt es in Mischwäldern, jedoch ohne forstwirtschaftliche Zielsetzung.
Großbritannien: Die Esskastanienforste bilden den bedeutendsten Bestand forstwirtschaftlicher Nutzung einer Baumart mit 18 800 ha Fläche. Etwa die Hälfte in reiner Niederwaldkultur im Süden des Landes, der Rest als Hochwald, davon kleinere Bestände in Wales, Schottland und Nordirland. Die meisten Niederwaldflächen wurden im 19. Jahrhundert angelegt. Wichtigste Nutzung waren Stangen für den Hopfenanbau (Anm.: Das Bier hatte erst im 19.Jahrhundert den Cider als wichtigstes Getränk abgelöst.). Je nach der jeweiligen Verwendung wurden und werden diese Flächen alle 5-6 oder alle 12 Jahre auf den Stock gesetzt, sodass diese Niederwälder bis heute bereits zehnmal auf den Stock gesetzt worden sind.
Deutschland: In Deutschland gibt es 1500-2000 ha C.- sativa. Die Baumart kam durch die Römer zusammen mit Weinbau in das Land. Rheinpfalz hat die größten Bestände, in Baden-Württemberg gibt zum Hochwald aufgewachsene Bestände von Niederwald angelegt zur Produktion von Stecken für den Weinbau. Ferner gibt es aus dem 18. Jahrhundert Güter mit Alleen und Anbau zur Ernte von Esskastanien. In neuerer Forstwirtschaft wird C.- sativa als ökologische Ergänzung in Mischwaldkulturen eingesetzt.
Die Besonderheiten der C.- sativa in Niederwaldkultur sind vor allem die langfristig kontinuierliche außerordentliche Produktivität auch auf mageren Böden, 7 t Holz (trocken) pro ha in vier Jahren und zweitens die Bildung vieler wuchsstarker Triebe aus dem Wurzelstock, selbst bei alten Wurzelstöcken, die seit 200 Jahren regelmäßig geerntet werden, soweit sie vor dem 15. Juli auf den Stock gesetzt werden. Die Auslese der Triebe erfolgt durch Absterben, 50 % im ersten Jahr. Im dritten Jahr sterben 2/3 des Bestandes nach dem ersten Jahr. Daher ist zunächst kein Rückschnitt erforderlich. Die dominanten Austriebe können im ersten Jahr bereits bis zu 1,80 m erreichen und in den weiteren Jahren jeweils einen weiteren Meter. Die dominanten Triebe wachsen völlig gerade, was bei der Verwertung keine Behandlung zur Korrektur erfordert. Erst nach dem zehnten Jahr wird Auslichten im Hinblick auf das angestrebte forstwirtschaftliche Ziel empfohlen.
Die Entwicklung des Wurzelstocks ist eingehend erforscht und die Ergebnisse werden im Detail wiedergegeben. Für die Wurzelentwicklung ist ein auf den Stocksetzen (Im Falle der C.- sativa direkt über dem Boden) zwischen Ende Juni und Oktober sehr nachteilig, obwohl der Baum schon sehr früh das Laub abwirft. Die jährliche Entwicklung des Holzes und der Wurzel finden ungleichzeitig statt, es genügt eine Bodentemperatur von 2-5 Grad zur Wurzelaktivität. Der Wurzelstock selbst ist kompakt, nicht über 80 cm tief und die feinen Wurzel bilden sich im oberen Bereich, nicht tiefer als 40 cm, er meidet Verflechtungen mit anderen Bäumen. Eine Altersbestimmung der Wurzeln anhand von Jahresringen ist kaum möglich. Ein Stumpf verfügt nach vielen Umtrieben über Wurzeln sehr verschiedenen Alters, die mehr oder weniger unabhängige Einheiten bilden. Nach fünf Umtrieben in einhundert Jahren hat der Stumpf einen Durchmesser von 1 m. Bei Untersuchungen solcher Stümpfe hat man festgestellt, dass darunter auch neue aufgegangene Samen sind. Dies dürfte neben der enormen Wüchsigkeit die Vitalität von Niederwaldkulturen über zweihundert und mehr Jahren erklären. Ein interessanter Befund ist das Verhältnis der Biomasse der Wurzeln zum Stamm. Beim Hochwald entwickeln sich die beiden Massen im Verlaufe von 50 Jahren proportional im Verhältnis 2,5:1, während die Wurzelmasse bei der Niederwaldkultur in 25jähriger Umtriebszeit über mehrere Umtriebe konstant bleibt und im jeweiligen Endstadium ein Verhältnis von 2,5:1 aufweist. (Es folgen sehr detailliert unterschiedliche Verfahren für die forstwirtschaftliche Bewertung von Beständen, die hier nicht referiert werden.) Untersuchungen haben ergeben, dass die Niederwaldkultur auch nach zahlreichen Umtrieben nicht zu Bodenermüdung führt.
Das 3. Kapitel: Vom Holz zu Möbel
Eine Erläuterung der sichtbaren Merkmale erlaubt Rückschlüsse auf die jeweiligen Wachstumsbedingungen. Schnelles Wachstum führt paradoxerweise zu besserer Holzqualität. Es wird detailliert erläutert, wie sich Längen- und Dickenwachstum zueinander verhalten und wie und mit welchen Folgen Tannin gebildet wird. Normaler Wuchs ist absolut senkrecht. Äußere Einflüsse können zu Abweichungen führen und zu asymmetrischen Holzstrukturen. Gefürchtet sind Risse und Ringschäle („roulure“), letztere tritt sehr häufig bei sehr alten Bäumen mit großem Durchmesser auf, was die Stämme zu Brennholz entwertet. Eine Vergleich der mechanischen Eigenschaften von Eiche und Kastanie zeigt kaum Unterschiede (Tab. S.152 im Anhang). Zu den besonderen Eigenschaften des Holzes gehören aufgrund des Tanningehaltes Widerstand gegen Schadinsekten, gegen Fäulnis durch Feuchtigkeit, es wird von Spinnen gemieden, Verwendung ohne präventive chemische Behandlung für Zäune, Stecken (Weinbau), Pfähle und Konstruktionen im Freien. Allerdings reagiert das Holz auf Eisen mit Schwärzung und Fäulnis, es besitzt gute Spaltfähigkeit. Bei dem Schadbild Ringschäle wird zwischen biologisch bedingten und “traumatischen“ Ursachen unterschieden. Rinde und Kambium sind sehr empfindlich und können bei Beschädigung beim Auslichten zu Ringschäle führen.
Die Verwendung des Holzes in sehr unterschiedlichen Formen ist teilweise jeweils in bestimmten Regionen konzentriert. Eine Liste der Verwendungen in Frankreich schließt u.a. ein: gebogene Rohrmöbel, Spazierstöcke, naturbelassene Zäune, Reusen, Fassbau, Schindeln, Dachziegel, Parkett, Bauholz, Gartenpfähle, Möbel, Särge, Furnier, Papierherstellung, Pressholz, Holzkohle und Brennholz.
Die fast ausschließlich in privatem Besitz befindlichen Forste mit C.- sativa werden zu einem geringen Teil zum Eigenbedarf bewirtschaftet. Die darüber hinaus gehenden Verwertungsketten unterliegen entfernungsbedingten Beschränkungen und einer Abnahme von Mindestmengen, die zur Verladung erreichbar bereitgestellt werden müssen. In zahlreichen Regionen sind die forstlichen Arbeiten eine zusätzliche Beschäftigung für die lokalen Landwirte.
Den ersten Teil abschließend findet sich eine sehr anschauliche Bildergalerie zu den Diskussionen im Text: Sorten und detaillierte Schadbilder.
Einleitend wird erläutert, dass auf Initiative der EU ab den neunziger Jahren intensive Forschungen vorangetrieben wurden, um forstwirtschaftliche Produktionsweisen zur Sicherung von Kastanienholz in guter Qualität unter den jeweils gegebenen regionalen Bedingungen zu fördern.
1. Kapitel: Verbesserung der vorhandenen Bestände
Forstwirtschaftlich ist es erforderlich das Ertragsziel zu bestimmen, um die jeweils notwendigen Maßnahmen zur Ausdünnung der Niederwaldkultur. (In Deutschland gibt es bislang so gut wie keine Niederwaldkulturen (mehr), seit andere Materialien zur Reberziehung verwendet werden.). Marktgängig sind 40 bis 50-jährige Stämme mit einem Durchmesser von mehr als 38 cm bzw. einem Umfang von mehr als 120 cm, gemessen bei 1,30 m und kleineres Holz 30-35-jährig mit einem Durchmesser von 17,5 cm bis 28 cm und einem Umfang von 55 cm bis 90 cm, gemessen bei 1,30 m. Erfahrungswerte besagen, dass zu frühes (in den ersten acht Jahren) Auslichten wenig effektiv ist, bis zum 15. Jahr ist das Auslichten am wirkungsvollsten, wobei durchaus 60 bis 80 % der aufgewachsenen Triebe entfernt werden können, da sich die Kronendächer der verbleibenden Stämme rasch wieder völlig schließen. Obwohl bei forstwirtschaftlich vernachlässigten älteren Niederwaldbeständen ein vollständiger Umtrieb angemessen wäre, müssen nicht selten Kompromisse mit städtischen und touristischen Einwänden gegen völlige Kahlschläge eingegangen werden. Zur Bewertung der Güte von Beständen werden minimale Erwartungswerte für Höhenwuchs zwischen dem 8. Und 16. Jahr, sowie den minimalen Aufwuchs der jeweils letzten drei Jahre in diesem Zeitraum aufgeführt. Weitere Parameter sind glatte, helle Rinde bis zum 20. Bis 25. Jahr. Kleine Wurzelstöcke mit wenigen kräftigen Trieben verweisen auf wenige vorangegangene Umtriebe. Wichtig ist immer, dass die Entnahme des Holzes beim Umtrieb ganz dicht am Boden erfolgt, da anderenfalls die neuen Triebe instabil sein können.
Im Weiteren werden ein- und mehrmalige Eingriffe (Ausschneiden kleiner Triebe, Reduktion konkurrierender Stämme) zu unterschiedlichen Zeitpunkten unter dem Gesichtspunkt der Kosten und Zielsetzung des späteren Umtriebes sehr ausführlich gegeneinander abgewogen, was angesichts der großen Fläche von Niederwaldkulturen in Frankreich, die forstwirtschaftlich vernachlässigt sind, von großer Bedeutung im Gegensatz zu Deutschland ist.
Im Kontext der Produktion von Holz ist die C. sativa von erheblichem Wert. Gutes Stammholz erzielt ähnliche Preise wie Eiche, die für eine vergleichbare Menge 150 Jahre benötigt, während C.- sativa diesen Ertrag in fünfzig Jahren erbringt (S.219). Notwendige Eingriffe zur Sicherung von 120 Stämmen pro ha im Endstadium werden ausführlich beschrieben, wobei auf Anzeichen von Krebs, Rindenverletzungen und Fehlformationen geachtet werden muss, um eine optimale Auswahl der 120 Stämme pro ha zu treffen. Bei starkem Befall mit Krebs wird eine frühere Verwertung des Holzes (Stecken und Pfosten) und Umtrieb empfohlen. Auch für dieses Produktionsziel werden Varianten für betriebswirtschaftlich optimale Eingriffe detailliert ausgeführt. Schließlich wird auch diskutiert, wie man mit überalterten Niederwaldflächen im Hinblick auf optimalen Ertrag und Neuaufbau des Niederwaldes umgeht und dabei auch ermüdete Wurzelstöcke „devitalisiert“.
Aber auch ein früher Umtrieb nach 15 bis 20 Jahren zur Produktion von Stecken und Pfosten ist wirtschaftlich interessant. Als Beispiel aus dem Jahre 2002 wird der Ertrag von 2 ha Niederwald mit etwa 30 000 Stecken in Höhe von 17 532 Euro genannt.
Bei der Produktion von Biomasse (7,5 t pro ha in vier Jahren) und als Energieträger schneidet die C.- sativa im Vergleich ebenfalls gut ab. Sie verträgt vierjährige Umtriebe und muss nicht regelmäßig erneuert werden, wie der Eukalyptus und stellt im Gegensatz zu Pappeln geringe Ansprüche an die Bodenqualität.
Hochstämme gibt es sowohl als geschlossene Kulturen als auch gemischt mit Buchen und Eichen. In Frankreich haben die Kastanienwälder in der Bretagne und in der Normandie sehr große Schäden bei extremen Stürmen im Jahre 1987 erlitten und werden, wenn überhaupt als Mischwälder restauriert. Unter dem Gesichtspunkt der Holzverwertung ist es bei Mischwäldern wichtig auch gut wirkende mächtige Bäume nicht länger als sechzig Jahre stehen zu lassen, weil danach das Risiko der Ringschäle rasch ansteigt.
Kapitel 2: Wiederherstellung des Produktionspotenzials
Die Zukunft der C.- sativa in Frankreich wird sehr positiv eingeschätzt, soweit gute Qualität angeboten werden kann, die zunehmend importierten Hölzern vorgezogen wird. Es wird neben der Verbesserung vorhandener Anbauflächen auch die Anlage neuer Pflanzungen empfohlen.
Bei Wahl neuer Flächen sind ausgesprochene Frostlagen, extrem trockene oder sumpfige Standorte sowie stürmische Lagen zu meiden. Mindestens 50 cm des Bodens müssen für Wurzeln leicht durchdringlich sein. Der pH-Wert sollte nicht über 6,5 liegen und idealerweise zwischen 5 und 6 betragen. Der Boden sollte Feuchtigkeit führen, denn die Edelkastanie ist gegen starke Trockenheit empfindlicher als z.B. die Eiche.
Beim Pflanzgut ist nach Möglichkeit auf regionale und forstwirtschaftliche Herkunft zu achten, denn Pflanzgut für Esskastanienproduktion ist häufig sehr ausladend und im Höhenwachstum schwächer. Als leistungsstark im Seeklima (geringe Spätfrostgefahr) hat sich die hybride Sorte (C.crenata x C.sativa) erwiesen. Das Pflanzgut ist sehr empfindlich, am Besten gelingt das Pflanzen mit zweijährigen Bäumchen. Beim Fruchtanbau wird mehrjähriges Pflanzgut eingesetzt, aber mit mäßigem Anwachserfolg. Jede Pflanzung sollte im Dezember erfolgen. Optimal sind schwarze Plastikbahnen 1,20 m breit, wie sie im Weinbau verwendet werden. Um eine mechanische Bearbeitung zu ermöglichen, wird ein Reihenabstand von 4 m empfohlen und Pflanzabstand von ± 2 m, d.h. 1250 Pflanzen pro ha. Die Wurzeln werden gering angeschnitten und dürfen keinesfalls lange trocken liegen. Die Pflanzen benötigen unbedingt Verbissschutz und über zwei Jahre muss konkurrierende Vegetation unterdrückt werden. Zur Bildung von einwandfreien Stämmen von sechs Meter muss alle zwei bis sechs Jahre aufgeastet werden, jedoch jeweils nur bis 1/3, aber maximal 1/2 der Höhe des Baumes. Im Laufe des Aufastens bis auf sechs Meter wird die Auswahl der endgültig verbleibenden 150 Stämme pro ha durchgeführt. In Regionen mit starkem Krebsbefall wird sehr dichtes Pflanzen empfohlen und das Aufasten zu verzögern und nur die natürlich abgestorbenen Äste herauszunehmen. Das Aufkommen von Schösslingen zeigt Stress des Baumes an, entweder durch zu kräftiges Aufasten oder zur falschen Jahreszeit, empfohlen wird im Sommer nach dem 15. Juli.
In einer Musterkalkulation (2003) wird ausgeführt, welche Kosten bei Neuanlage auf aufgegebenen Ackerflächen und Wiederaufforstung in 13 bis 16 Jahren pro Baum anfallen, 17 bis 25 Euro (S.268).
Der Anbau von C.- sativa mit dem Ziel, Qualitätsholz zu produzieren, unterscheidet sich von anderen Laubgehölzen durch kürzere Umtriebzeiten und größere Stammzahlen pro Hektar. 200 bis 250 Stämme pro ha sind bei einem Stammdurchmesser von 35 bis 40 cm in etwa vierzig Jahren möglich; 120 bis 175 Stämme pro ha mit einem Durchmesser von 45 bis 50 cm in etwa 50 Jahren. Um ein solches Ergebnis zu erreichen, ist wiederholte sorgfältige Entnahme junger Stämme erforderlich und regelmäßiges moderates Aufasten und Auslichten der besten Stämme.
Die C.- sativa eignet sich für Mischwaldkulturen, die aus ökologischen Gründen und zur Minderung des Schädlings- und Sturmrisikos geboten sein können. Zusammen mit Eiche und Douglastanne wird ein erster Ertrag zu einem sehr viel früheren Zeitpunkt erreicht. Um C.- sativa in Mischkulturen zum geraden Längenwachstum anzuregen, sind Haselnuss und Holunder sehr geeignet, weil ihre Konkurrenz mit der C. sativa bei maximal 6 m endet.
Die Saat von Kastanien gelingt besser im Frühjahr. Man benötigt 65 kg pro ha. Die Kastanien sollen sofort nach der Ernte eingeweicht werden, um die aufschwimmenden (tauben) Kastanien auszusortieren. Die Lagerung ist optimal bei 2 Grad, wahlweise in feuchtem, gegen Nager geschütztem Erd- oder Sandlager. Sie müssen mit Fungiziden vorbehandelt werden. Sie werden in von konkurrierenden Gräser befreiten Boden in Reihen und 25 cm Abstand eingebracht, erfolgreiche Samen bringen es in einem Jahr auf bis zu 70 cm.
Die natürliche Regeneration alter Bestände erfordert die Unterdrückung von Sprossen alter Wurzelstöcke und deren Devitalisierung. Das Fällen des alten Bestandes sollte nach dem Fall der Früchte zwischen Anfang Oktober und Mitte November stattfinden. Beim Aufwuchs der C.sativa sind Farnkraut und Brombeeren nützliche Begleitpflanzen, während Birken, Ginster und Pappeln die wichtigsten Konkurrenten sind, die die Höhenkonkurrenz befördern, bei der die C.sativa siegt.
Abschließend werden die anfallenden forstwirtschaftlichen Arbeiten je nach Ausgangslage (Acker, Forst, natürliche Regeneration, Pflanzung) verglichen.(S.292)
In den Regionen Bretagne, Normandie und Limousin waren Hecken und Haine mit C.sativa von großer Bedeutung und bestehen zum Teil heute noch. In Niederwaldkultur werden sie in jeweils wenigen Jahren geerntet für Brennholz und Stecken und Pfähle, vergleichbar mit der Bewirtschaftung von Knicks in Norddeutschland. Nicht selten belässt man auch einige Überständer zur Gewinnung von Bau- und Arbeitsholz. Die C.sativa spielt definitiv bei Alleen eine wichtige Rolle, besonders wenn es sich um saure Böden handelt. Sie zeichnet sich durch raschen Höhenwuchs und kräftigen Wiederaustrieb aus. Das Holz von Alleenbäumen ist sehr geschätzt und weist ein geringes Risiko an Ringschäle auf. Die Studie plädiert angesichts des Ertrages von Hecken und Alleen von 60 bis 150 Kubikmeter Stammholz pro Kilometer dafür, eine systematische Aufmerksamkeit derartigen Anbaumöglichkeiten zu schenken. Bei der Anlage von neuen Hecken kann man die C.sativa in Form von Wurzelstöcken auch als Zwischengröße zwischen Büschen und den gewünschten Überständern (Eiche etc.) nutzen. Es ist aber auch möglich, nach wenigen Jahren den stärksten Aufwuchs als Stammbilder auszuwählen.
Folgendes Pflegeschema und Ertragsschema für eine Hecke (bzw. Knick) mit ausschließlich C.sativa, ein Kilometer Länge (S.294)
Jahr Tätigkeit Ertrag
0 Gesamte Hecke auf den Stock setzen Stöcke und Feuerholz
5 - 8 Auswahl von ein oder zwei Sprossen Stöcke, Stecken
von einem Wurzelstock alle 10-12 m
Aufasten auf drei m; Unterdrückung aller
anderen Sprosse des Wurzelstocks und
andere hinderliche Sprosse
10-15 Aufasten der ungeschnittenen Bäume Pfähle
auf 6 m, auf den Stock setzen der übrigen Hecke
30-45 Auf den Stock setzen der gesamten Hecke 60-150 Kubikmeter
einschließlich der „Überhälter“, die jetzt Stammholz, Balken
einen Durchmesser von 40 bis 60 cm in- und Pfähle
der Höhe von 1,30 m haben sollten.
Eine besondere Bewirtschaftung, die Holzproduktion und Beweidung mit Schafen auf vernachlässigten Flächen von Niederwald oder Fruchtanbau verknüpft und insbesondere im Süden Frankreichs das Risiko von Waldbränden mindert, wird beschrieben, die aber im deutschen Kontext keine Bedeutung hat.(S.295-298)
Die historische Doppelfunktion der Kastanien- und Holzproduktion ist unter heutigen Bedingungen moderner Bewirtschaftung nicht mehr von Interesse. Hingegen gibt es Anbauflächen auf denen besondere Mischformen von Pinien und C.sativa vorteilhaft sind, denn C.sativa eignet sich zur Vergesellschaftung mit anderen Arten.
Dieses Kapitel ist ein Plädoyer für eine Intensivierung des Anbaus von C.sativa, weil diese Holzart auf steigende Nachfrage für die unterschiedlichsten, zum Teil neuen Verwendungen trifft. Hierfür werden die verschiedenen Verfahren des Verkaufs und Preisermittlung erläutert. Die Transportwege zur Verwertung des Holzes sind ein wichtiger Parameter; sie können von Region zu Region sehr unterschiedlich sein. Hinzu kommen Holzexporte nach Portugal und Italien für die dortige Möbelindustrie. Es wird prognostiziert, dass es weder in Frankreich noch in Europa bis 2030 ein Überangebot von Kastanienstämmen geben wird. Um gute Preise zu erzielen, ist es notwendig, die unterschiedlichen Holzqualitäten getrennt anzubieten, was zeitaufwändig ist und sachverständige Durchführung erfordert. Denn bislang ist eine sichere Diagnose der Gefahr von Ringschäle beim Trocknen des Holzes nicht möglich. Als Tendenz hat sich entwickelt, dass die Leitung der Verwertung von C.- sativa von Forstexperten im Auftrag der Eigentümer übernommen wird.
Bei der Verarbeitung der Stämme steht das Risiko der Ringschäle im Vordergrund, das mit steigendem Durchmesser der Stämme steigt und beim Trocknen des Holzes auftritt.
Die abnehmende Nachfrage nach Tropenhölzern stärkt die Nachfrage nach europäischen Laubbaumhölzern wie Eiche, Nussbaum, Edelkastanie und Vogelkirsche in der europäischen Möbelindustrie. Neu ist die steigende Nachfrage der C.- sativa für Verwendungen im Freien ohne chemische Konservierung.
In einem Anhang werden die Bedingungen für eine nachhaltige Forstwirtschaft und Biodiversität benannt. Die Aufgabe des Anbaus zur Ernte von Maronen führt zu einer erheblichen Minderung der floristischen Biodiversität, die auch durch entstehende Mischwaldkulturen nicht kompensiert wird.
Schließlich wird die Förderung des Kastanienanbaus in der Region Cévenole in verschiedenen Lagen, Nordhang bis 400 m, Südhang bis 700 m, Berghängen bis 700 m Nordhänge und 750 m sonnenseitig beschrieben. Ziel ist es, Informationen über die Biodiversität in verschiedenen Zonen des Kastanienanbaus zu gewinnen.
Angefügt sind umfangreiche Bibliographien der ersten und zweiten Auflage mit vorwiegend französischen und einigen englischen Titeln.
März 2018