Die Walnuss ist ein stetig beliebter werdendes Nahrungsmittel, das auf vielfältige Weise Eingang in heutige von Gesundheitsattributen geprägten Speisepläne findet. In Deutschland war sie zumindest selbstverständlicher Teil der Selbstversorgung und Abverkauf auf traditionellen Bauernhöfen. Aber die beiden Weltkriege haben diesen Bestand dezimiert, weil das wertvolle Holz millionenfach für die Herstellung von Gewehrschäften benötigt wurde. Nachpflanzungen fanden kaum statt, vor allem weil großflächiger Erwerbsanbau in Deutschland keine Tradition hatte. Zumindest zu DDR-Zeiten soll die Walnuss auf dem Gelände der „Datschen“ sehr beliebt gewesen sein.
Nach dem 2. Weltkrieg sind wegen geringer wirtschaftlicher Bedeutung auch die Forschungstätigkeiten zur Walnuss in Deutschland schrittweise nahezu zum Erliegen gekommen. Die statistischen Erhebungen zum Baumbestand wurden aus dem gleichen Grund weitgehend eingestellt.
Die Veröffentlichung beruht auf einer Masterarbeit an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Sie ist ein Weckruf für eine zu Unrecht vernachlässigte (Hartschalen) Obstkultur. Er wird getragen sowohl von der Nachfrageseite, vor allem nach regionalen Produkten, als auch von den Klimaveränderungen, die diesen wärmeliebenden Baum fördern. Vor allem Norddeutschland würde die Schaffung von Walnussplantagen Inseln erhöhter Biodiversität im Meer agro-industrieller Monokulturen von Viehfutter für die Massentierhaltung und Rohstoffen für sog. erneuerbare Energie schaffen. Als „essbare“ Bäume häufiger in öffentlichen Parks gepflanzt würden Walnüsse die soziale Bindung an Stadtgrün fördern.
In knapper, gut lesbarer Form erfüllt dieses schmale Buch den Anspruch des Titels „Neues und altes Wissen“ zum Thema umfassend. Zum Einstieg werden die unterschiedlichen kulturellen Zuschreibungen der Walnuss referiert, gefolgt von der Ausbreitung von Juglans regia (Walnuss). Alles Wissenswerte zur Biologie wird anschaulich erläutert. Die Informationen zum Wurzelwerk und den im Boden toxisch wirkenden Inhaltsstoffen sind aufschlussreich und verhindern Enttäuschungen beim Pflanzen und bei der Pflege eines Baumes. Allgemeine Standortfaktoren werden sorgfältig beschrieben, Ansprüche an die Bodenqualität sind eher gering, während eine gute Wasserversorgung gewährleistet sein sollte. Sämlinge fruchten häufig erst nach zwei Jahrzehnten, veredelte Bäumchen tragen bereits in den ersten Jahren nach der Pflanzung. Sie erreichen ein Lebensalter von 50 bis 60 Jahren, während Sämlinge über 100 Jahre alt werden können.
Auf der Grundlage des zuverlässig vermittelten Basiswissens beleuchtet die Autorin denkbare Szenarien der Planung von Walnusshainen, jeweils abhängig von der wirtschaftlichen Zielsetzung (Hobbyprojekt, wirtschaftlich tragfähige Investition, Art der Verwertung). Ernte und Aufbereitung zu den verschiedenen Formen der Vermarktung (Öl, Kerne, Nüsse) werden sorgfältig ausgeleuchtet. Das Potential des Walnussbaumes als Holzproduzent, auch in der Forstwirtschaft, wird ebenfalls erläutert. Kenntnisse möglicher Schadursachen biotischer und abiotischer Natur werden anschaulich dargestellt, auch wenn die Zahl der möglichen Schäden sehr viel geringer als z.B. bei Äpfeln und Kirschen ist.
Daten zur Wirtschaftlichkeit des Walnussanbaus sind während der letzten 50 Jahre kaum erhoben worden. Für zwei Szenarien wird in den wenigen Studien der Walnussanbau als Anbauoption gesehen. Zum einen bietet sich der Anbau auf ertragsschwachen Standorten und Restflächen im Obstanbau an und zum anderen wird der vergleichsweise geringe Arbeitsaufwand interessant, wenn die Verfügbarkeit von Arbeitskräften ein begrenzender Faktor ist.
Wenn es gelingt, die umfangreichen Erfahrungen und Forschungs-ergebnisse in anderen europäischen Ländern, in denen Erwerbsanbau der Walnuss betrieben wird, für den Anbau in Deutschland zu nutzen, dann wird das mit diesem Buch angestrebte „Revival“ der Walnuss möglich. Anhand aktueller Daten zur Entwicklung der überwiegend importabhängigen Märkte in Deutschland beleuchtet die Autorin die ausgezeichneten Chancen für Walnüsse aus der Region. Sie präsentiert detaillierte Rentabilitätskalkulationen für die Anlage von Walnussplantagen für drei unterschiedliche Verwertungsformen. Die dabei entwickelten Module der anfallenden Kosten, vor allem in den ersten fünf ertragslosen Jahren, erlauben realistische Schätzungen für die Durchführbarkeit von Anbauplanungen unter Berücksichtigung der jeweiligen Standortbedingungen. Weitere Vertiefung bietet ein Verzeichnis von Quellen zur weiteren Information in Deutschland und eine Liste der internationalen Zuchtstationen.
Die Liste von 52 Sorten mit allen vorliegenden Informationen zu Herkunft, Wuchs, Blattkrankheiten, Befruchtung, Spätfrostgefährdung, Winterfrosthärte, Ertragsbeginn, Fruchtfall, Ertragsniveau, Nussqualität und Empfehlungen aufgrund von Beobachtungen ist m.W. ein Alleinstellungsmerkmal für dieses Buch und unersetzlich egal ob man mit Erfolg einen Einzelbaum pflanzen will, ob Bäume in öffentlichen Parks gepflanzt werden wollen oder ob standortgeeignete Sorten für die Anlage eines Walnusshaines gesucht werden.
Der einzige Wermutstropfen ist der Preis für diese ausgezeichnete „Nussfibel“. Mein Tipp lautet, setzen Sie dieses Buch auf die Wunschliste der öffentlichen Bücherei in ihrer Nähe.
Juli 2017 Peter Lock