Buchnotiz

Siegfried Tatschl, 555 Obstsorten für den Permakulturgarten und -balkon

Planen – Auswählen – Ernten – Genießen
Innsbruck, Löwenzahn in der Studienverlag GmbH. 2015, 3.Auflage 2021, 424 Seiten.

Mit dem Ziel seine niederösterreichische Heimat Kirchberg grüner und dabei vor allem gemeinwirtschaftlich essbar zu machen, hat der Autor botanisch versiert seit zwanzig Jahren in allen Kontinenten nach bislang wenig bekannten Obstgehölzen gesucht und sie nach Möglichkeit in Kirchberg kultiviert. Das Ergebnis ist ein innovativer Beitrag zur Schaffung enkeltauglicher städtischer Lebensbedingungen angesichts des Klimawandels <Hitze und Starkregen>, der gravierende Folgen für die Lebensbedingungen in bislang weitgehend versiegelten innerstädtischen Räumen hat.

Tatschl dokumentiert seine Erfahrungen mit sehr vielen bislang wenig bekannten Obstgehölzen und erläutert darüber hinaus botanische und pflegerische Informationen weiterer von ihm identifizierter Obstgehölze, die noch nicht in Kirchberg wachsen. Das umfangreiche, gut bebilderte Buch richtet sich an alle, die sich in ihrem Wohnumfeld für eine grünere enkeltaugliche Umwelt engagieren möchten. Es verweist europaweit auf die Internetseiten der Anbieter der im lokalen Pflanzenhandel nicht angebotenen Obstgehölze und auf informative Kurzfilme zu deren Anbau. Zu jeder vorgestellten Obstsorte werden Angaben zu Herkunft, Höhe und Platzbedarf, Frosthärte, Wuchsform und Standort, Pflege, Verwendung, Vermehrung, Sorten und Bezugsquellen, Tipp/Besonderheiten geliefert.

Tatschls Vision ist weltweit eine Umgestaltung städtischer Lebensräume zu „Essbaren Städten“, in denen Gärten und Parks im Stadtbild prägend sein werden. Es ist ein sozioökologischer Ansatz zur Gestaltung nachhaltiger menschlicher Kulturen. Die Geschichte der Obstsorten macht es wahrscheinlich, dass die Exoten von heute die alten Obstsorten von morgen sein werden, dass die Klimaänderung unweigerlich zu einem ständigen Wandel auch der „heimischen“ Natur führen wird.

Dieses Buch regt jeden Leser an, die eine oder andere der vorgestellten faszinierenden Obstsorten irgendwo im eigenen Wohnumfeld zu pflanzen. Da Tatschl alles, was man zum richtigen Pflanzen und Pflegen wissen muss, anschaulich erläutert, wird man auch als in der Stadt wohnender Anfänger die wahrlich „infektiöse“ Lektüre dieses Buches durch Pflanzen und Testen im eigenen Wohnumfeld weiterführen können. Wichtig ist jedoch die Auflistung zum Teil attraktiver „invasiver Gewächse“, die die heimische Biodiversität verdrängen, aber noch im Pflanzenhandel angeboten werden.

Sehr hilfreich sind Listen für spezielle Bepflanzungen und weiterführende Informationen, auch im Internet:

- für Kindergärten
- Schulhöfe
- geschützte Lagen/Weinbauklima/Stadtklima
- große Bäume
- Bodendecker u.a.m.
- geeignete Anbieter europaweit für die im lokalen
Pflanzhandel nicht verfügbaren Obstsorten
- Bezugsquellen für Samen
- Literaturempfehlungen und weiterführende Websites