Die erste Hälfte dieses Buches bietet eine Zusammenfassung des heutigen Standes des Wissens über Walnussgewächse einschließlich der Forschungsstände der Paläobotanik zur Entwicklung dieser Pflanzenfamilie. In der zweiten Hälfte findet man gegliedert in vier Gattungen (20 Walnüsse, 6 Flügelnüsse, 12 Hickorys und 1 Zapfennuss) Artenporträts der heute in Europa, häufig nur in Arboreten und großen Parkanlagen, existierenden Arten mit systematischen merkmaltypischen Abbildungen, die eine eindeutige botanische Identifikation ermöglichen. In einem vierten Abschnitt werden tropische Arten und subtropische Arten, die nicht in Europa gedeihen, vorgestellt. Abschließend wird in einem kurzen Kapitel die weltweite Gefährdung der Walnussgewächse problematisiert.
Von insgesamt 10 Gattungen der Walnussgewächse (Juglandaceae) werden 5 in Europa kultiviert. Allgemeines Merkmal ist die Windbestäubung. Nüsse anderer Pflanzenfamilien werden ebenfalls vorgestellt. Auch sie sind in der Mehrzahl essbar.
Pollenfunde belegen, dass fast alle Formen der Walnussgewächse in der Zeit vor fünf Millionen Jahren in ganz Europa verbreitet waren. Durch die wiederholten Eiszeiten dürften sie aber alle in Europa ausgestorben sein. Die natürliche Verbreitung bildet Klimaänderungen ab. Für heutige Debatten zu „heimischen Pflanzen“ ist die Erkenntnis aus der Geschichte dieser Pflanzenfamilie bedeutend, die der Autor mit „nur der Wandel ist stetig“(S.33) zusammenfasst.
Die nacheiszeitliche Wiedereinführung in Europa, vor allem der Echten Walnuss (Juglans regia) und deren biologische Auslese ist den Menschen geschuldet. „Die Walnuss hat sich also – wenn auch als Teil eines passiven Prozesses – durch ihre verlockenden Kerne den Menschen zum wichtigsten Verbreiter gemacht.“(S.40) Die Römer pflanzten sie nördlich der Alpen, Karl der Große dekretierte die Pflanzung der „Welschnuss“, im Mittelalter war die Walnuss auch für Apotheker und Kräuterkundige bedeutsam. Mit Carl von Linné begann die botanische Erforschung der vorfindlichen Pflanzenfamilie. Allerdings werden botanische Klassifizierungen in den jüngeren Jahrzehnten durch die Möglichkeit der genetischen Identifikation häufig korrigiert.
Die intensive Beschäftigung des Autors mit der Artenvielfalt der Walnussgewächse mündet in einer bedeutenden Hypothese zu Prozessen der Hybridisierung von Arten. „Während also bei Arten mit gemeinsamen Habitat genetische und biologische Barrieren die Befruchtung mit anderen Arten einschränken, finden sich solche Barrieren bei Arten mit weit entferntem Habitat innerhalb der Gattungen weniger.“(S.48)
Weltweit dominiert die Echte Walnuss, neben der Pekannuss, den kommerziellen Anbau, deren Züchtungen inzwischen großkernig und leicht knackbar sind. Allerdings werden bei der Veredelung vor allem in Kalifornien als Unterlage Juglans paradox oder Juglans hindsii u.a. wegen deren Resistenz gegen Hallimasch verwendet. Die Weltproduktion hat sich während der letzten fünfzig Jahre versiebenfacht. Sie ist auf wenige Länder konzentriert, China, USA, Iran, Türkei und Mexiko, während in anderen Ländern der Bestand in der bäuerlichen Landwirtschaft zur eigenen und lokalen Versorgung sehr stark zurück gegangen ist.
Der globalisierte Handel von Nüssen und Holz führt zur Verbreitung ursprünglich lokal verbreiteten Schädlingen und Krankheiten, die einen immer stärkeren Einsatz von Giften beim Anbau erfordern. Die heute angebauten Edelsorten werden überwiegend über vegetativ vermehrt.
Bei dem forstlichen Einsatz von Walnüssen wird durch relativ enge Pflanzung die Bildung von sehr langen, astfreien Stämmen gefördert. Von besonderem Wert für Edelfurniere ist der Wurzelstock der Nussbäume. Neben Nüssen zur Ernährung und dem Holz wurde traditionell das Juglonaus den Fruchthüllen als Farbstoff verwendet und bestimmte Nussarten zu Schmuck, Pfeifen und Spielgeräten verarbeitet.
Ein besonderes Kapitel erläutert hervorragend bebildert die Merkmale der Arten und Gattungen der Walnussgewächse in Mitteleuropa. Sehr hilfreich ist die Abbildung von Blättern anderer Gehölze, die Blättern von Walnussgewächsen ähneln, aber zu anderen Pflanzenfamilien gehören. Insgesamt 39 Walnussgewächse werden in botanischen Porträts <insgesamt 39> im folgenden anschaulich dokumentiert. Bei Arten der gleichen Gattung kommt es häufig zur Hybridisierung, während verschiedene Gattungen auf keinen Fall Hybriden bilden, z.B. Juglans(Walnüsse) und Carya(Hickorynüsse). Dass Walnussgewächse sehr spät nach der Blütenbildung ihre Blätter entfalten, fördert die Windbestäubung. Spätfrost kann die gesamte Ernte vernichten, allerdings werden bereits Sorten ausgelesen, die in solchen Fällen eine zweite Blüte bilden.
Walnussgewächse der verschiedenen Gattungen sind eine auffällige Bereicherung der Landschaft. Angefangen von gutwüchsigen Ziergehölzen in Gärten bis zu großen Solitärbäumen der Echten Walnuss in städtischen Parks. Im trockenen urbanen Raum sind im Herbst besonders schön gefärbte Hickorybäume geeignet, während ältere Echte Walnussbäume die häufig verkehrsbedingte Verdichtung des Bodens nicht gut vertragen. Die unterschiedlichen Nüsse der verschiedenen Walnussarten begründen das Habitat für zahlreiche Nager und Rabenvögel, während besonders die Gattung Carya zahlreichen Insekten ein wichtiger Lebensraum ist.
Die folgenden über einhundert Seiten der Gattungs- und Artenporträts bilden ein Handbuch zur Bestimmung von Walnussgewächsen in Mitteleuropa, das auch engagierten Amateuren eine botanische Artenbestimmung von Walnussgewächsen erlaubt. In einem weiteren Abschnitt werden die Gattungen und deren Arten beschrieben, die auf subtropisches oder tropisches Klima beschränkt sind und nicht in Mitteleuropa kultiviert werden können. Interessant ist die Beobachtung, dass die meisten dieser Arten anhand von Pollenfunden voreiszeitlich in Mitteleuropa vorhanden waren.
Primäre Gefährdung der Walnussgewächse weltweit ist das Gewinnen von Landwirtschaftsland, dem der Artenschutz meist relativ hilflos gegenüber steht. Allerdings gibt es auch menschlich geprägte Sekundärlebensräume, in denen Walnussgewächse neue Habitate finden können. Der auf reinen Artenerhalt orientierte Naturschutz sieht in der Hybridisierung eine Gefahr. Dem steht entgegen, dass heutige genetische Bestimmungen belegen, dass viele heutige „heimische“ Arten das Produkt von Hybridisierung sind. Weshalb Jonas Frei am Ende die Frage stellt: „Welche Natur betrachten wir also als die schützenswerte, echte und richtige?“(S.221) Die botanische Bestimmung der Arten „wird – solange die Wissenschaft genauso wie die natürliche Entwicklung voranschreitet, nie ganz abgeschlossen sein.“(S.49) Der Autor zitiert Jakob Johann von Uexküll, der vor hundert Jahren gewarnt hat „Die Wissenschaft von heute ist der Irrtum von morgen“, daher sind Bescheidenheit und Offenheit für Neues ein Gebot für den Naturschutz.
Dieses Buch ist eine umfassende Recherche zur Botanik und Kultur der Walnussarten in Mitteleuropa; die ausgezeichneten Fotographien und Graphiken von Bäumen in der Kulturlandschaft und systematische Darstellungen von Blatt, Blüte, Bork u.a.m aller Artenporträts machen es zu einem bedeutenden Nachschlagewerk. Für die Diskussionen zum Naturschutz allgemein lautet der Befund, Veränderung ist die einzige Konstante und Habitate bilden Klimaveränderung und menschliche Anforderungen an die Landnutzung ab.