Anmerkung zur Debatte unter Naturschützern in Sachen Knick

 

Der Gedanke Knicks im Umfeld agrarindustrieller Bewirtschaftung zu pflegen und damit deren historische Funktion als Wanderwege der Biodiversität zu reaktivieren, läuft auf eine museale Reaktivierung hinaus, ohne jedoch die wichtige Funktion der Biodiversitätsförderung wirklich zu erfüllen.

Knicks sind aus vielfältigen funktionalen Bedürfnissen der vorindustriellen bäuerlichen Landwirtschaft entstanden. Dazu gehören Abgrenzung, Drainage, Entsorgung von Hindernissen beim Pflügen, zu den mittelbaren Funktionen gehört Erosionsschutz und Mikroklima (Windschutz). Ganz bedeutend war ihre Funktion als Wanderwege für genetischen Austausch. Sie waren im Zeitalter von überwiegend bäuerlicher Landwirtschaft landschaftsprägend.

Mechanisierung und agroindustrielle Anbauverfahren mit dem dazugehörigen Einsatz von Agrarchemie lassen Knicks zu einem Störfaktor werden, der weggeräumt wird. Dort wo er dank gesetzlicher Auflagen noch vorhanden ist, stellt er eine betriebliche Belastung dar, die bestenfalls nachlässig gepflegt wird. Schwerer wiegt jedoch, dass der Einsatz von Agrochemie bis maximal nahe an den Knick, diesen zwar gelegentlich noch optisch landschaftsprägend erscheinen lässt, aber als Refugium von Biodiversität wegen der Auswirkungen der in nächster Nähe ausgebrachten Agrochemie weitgehend zerstört wird.

Die früher fast flächendeckende Funktion als „Biodiversitätsschneisen“ und Mittel für genetischen Austausch wird heute selbst bei Fortbestehen von Knicks, dank gesetzlicher Bestandsgarantien, kaum mehr erfüllt. Unter der bestehenden Konkurrenz zwischen wirtschaftlicher Nutzung und Knickerhaltung laufen Forderungen nach besserer Pflege noch bestehender Knicks sehr stark in Richtung wirkungssterilem, musealem Engagements.

Wenn der Einsatz für Knicks eine biodiversitätserhaltende Inwertsetzung leisten soll, um ein Gegengewicht zur Biodiversitätsreduktion durch die agrarindustrielle Durchdringung ländlicher Räume zu schaffen, dann ist es notwendig, unter den Bedingungen heutiger agroindustrieller Bewirt-schaftung auf der Schaffung von breiten durchgehenden Streifen (20 m?) zu bestehen, in deren Mitte eine Zone bleibt, die weitestgehend von den Streuwirkungen des Ausbringens von Dünger und Agrochemie verschont bleibt und die historische Funktion von Knicks in der bäuerlichen Landwirt-schaft als Biodiversitätsschneise übernehmen. Ob man derartige Regelungen unter der Überschrift „Knick“ zur Sicherung von Biodiversität betreibt oder angesichts der tiefgreifenden Biodiversitätsverluste eine neue Vokabel verwendet, um die Dramatik der aktuellen Entwicklung in ländlichen Räumen vermitteln, sollte am Ende der Diskussion pragmatisch entschieden werden. So wie sich unser Bewusstsein mit der „Verauto-bahnung“ unseres Landes abgefunden hat, wird es darauf ankommen, Gleiches für eine umfassende „Verschneisung“ zu Lasten der agrar-industriellen Nutzflächen zur Erhaltung von Biodiversität zu erreichen.

(Norbert Kleintz schlägt die Anlage von Ur-Obst Hainen vor. Siehe die Besprechung seines Buches zu „Ur-Obst“.)

Umfassend informieren die Studien von Naturkapital Deutschland – TEEB DE zu „Ökosystemleistungen in der Stadt“ und „Ökosystemleistungen in ländlichen Räumen“, Berlin/Leipzig 2016.