Der 1991 wieder gegründete Pomologen-Verein war eine Reaktion auf die Erkenntnis, dass die tiefgreifende Veränderung des Erwerbsanbaus, nach 1945 und später mit Regulierungen auf der Ebene der EU dazu geführt hatten, die für die bäuerliche Landwirtschaft des 19. Jahrhunderts typisch enorme Sortenvielfalt völlig zu vernichten. Gleichzeitig waren Obstwiesen, die als wertvolle Biotope zum Erhalt von Biodiversität beigetragen hatten, aus den meisten Landschaften verschwunden. Bei dem engagierten Bemühen möglichst viel von dem verloren Gegangenen zu retten, wurde die Streuobstwiese mit „alten Sorten“ und Hochstämmen zum vorrangigen Vereinsziel.
Tatsächlich ist es dem Verein bis heute gelungen, an vielen Orten die Schaffung und den Erhalt von Obstwiesen auf den Weg zu bringen. Dabei werden die „alten Sorten“ zu einem Wert an sich. Erst in den letzten Jahren geraten ältere Formen der Kultivierung von Obst auch wieder in den Fokus und die Aufmerksamkeit richtet sich auch auf die sehr unterschiedlichen Wuchsformen, die bereits in den Gärten der Renaissance eine große Rolle spielten. Schwachwachsende Unterlagen waren lange verpönt, weil sie dem Erwerbsanbau zugerechnet wurden. Inzwischen sind aber viele neue Wuchsformen gezüchtet worden, die sich in der Praxis als sehr geeignet für die Pflanzung an eher beschränkten städtischen Orten sind. Besonders attraktiv sind Säulenbäume, die in Töpfen und kleinen Containern geliefert und gepflegt werden können.
Vor drei Jahren war es schwierig, Säulenbäumchen im Topf in Hamburg zu erwerben. Mit einiger Mühe habe ich sechs unterschiedliche Sorten erworben. Sie sind an unterschiedlichen Standorten mit gutem Erfolg gepflegt worden. Die Äpfel waren schmackhaft, die Bäumchen haben kleine Kinder sehr beeindruckt. Ein Standort ist ohne Befruchter geblieben und hat nicht getragen. Eine wichtige Lehre ist daraus zu ziehen, möglichst in einem Wohnblock mehrere Parteien an der Kultivierung von Säulenbäumchen zu beteiligen, dann ist die Befruchtung kein Problem. Die Logik hinter erfolgreichen Säulenbäumchen auf Balkonen und Terrassen ist, dass die Freude am Erfolg auf dem Balkon, dazu anregt, über StadtNatur und Obst in der direkten Umgebung nachzudenken.
Ziel muss es sein, dass die Menschen mehr StadtNatur in ihrer unmittelbaren Wohnumgebung einfordern. Auf kleinsten Räumen, auf Dächern und an Hauswänden ist Platz für StadtNatur und häufig auch Obst, für das sich Pflanz- und Pflegepaten finden.
Ziel des Workshops sollte sein, weitere mögliche Ideen zu entwickeln, wie StadtbewohnerInnen dafür begeistert werden können, sich für StadtNatur in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld zu engagieren. Obst kann dies unterstützen, weil zu den dekorativen und mikroklimatischen Wirkungen das unmittelbar Produktive kommt. In diesem Kontext bietet es sich an, über die Bedeutung von Biodiversität in städtischen Räumen Aufklärung zu betreiben.