Anregungen zum Anbau von Kiwi-Sorten in der Stadt

Thema: Schaupflanzungen für neue Sorten
Datum: 16.11.2016
Verteiler: Workshop NABU 28.10.2016

 

Ausgangslage

Seit einem halben Jahrhundert wird die ursprünglich aus China stammende Kiwifrucht aus neuseeländischem Anbau in Deutschland mit steigender Beliebtheit vermarktet. Inzwischen gibt es auch Erwerbsanbau in Mittelmeerländern. Hierbei handelt es sich um die Sorten Actinidia deliciosa (gründfleischig und behaart) und Actinidia chinensis (gelb glattschalig). Beide Sorten gedeihen sicher nur in bestem Weinbauklima. Einzelne Berichte von gereiften Früchten in Hamburger Gärten ändern daran nichts.

Es gibt aber zahlreiche Arten der Actinidia, die selbst schwerste Fröste schadlos überstehen und auch in nördlichen Regionen sicher ausreifen. Die Züchtung dieser Sorten ist in der Sowjetunion und Polen vorangetrieben worden, um ähnlich wie bei anderen Obstsorten Pflanzgut für die Selbstversorgung (auf dem Gelände der „Datschen“ möglichst ohne Nachfrage nach knappen agro-chemischen Produkten) bereitzustellen. Somit wurde auch in der DDR der Anbau dieser kleinfrüchtigen, sehr schmackhaften und vitaminreichen Kiwisorten praktiziert.

Im Hamburg sind die Minikiwis noch nicht Teil des Obstangebotes. Ich habe sie einige wenige Male in Angebot eines Altländer Obstbauern gesehen und aus Unkenntnis nicht gekauft, sondern nur einmal probiert und zwar verwundert mit positivem Ergebnis. Man kann die Früchte mit Schale wie Kirschen ohne Kerne oder Stachelbeeren, aber zarter, essen.

Ein auf Minikiwis spezialisierter Züchter in Chemnitz (www.mini-kiwi.de) und die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim (https://www.lwg.bayern.de) haben die verschiedensten Sorten Minikiwis seit Mitte der neunziger Jahre umfangreich getestet und für Anbau in Deutschland gut geeignet befunden.

 

Eignung von Minikiwis im städtischen Raum

Minikiwis sind robuste langjährige Rankpflanzen, die keine agrochemische Behandlung benötigen. Sie können mit einem Faltblatt zur Erläuterung der Pflege unkompliziert und zuverlässig kultiviert werden. Die Pflanzung erfordert ein Rankgerüst, ähnlich des Weins, sowie zur ertragreichen Befruchtung mehrere Pflanzen am Ort. Ferner ist Bewässerung und gegebenenfalls eine Mulchabdeckung gegen Austrocknung der flach wurzelnden Pflanzen notwendig. Es handelt sich um leckeres Obst einer blätterreichen Pflanze, die dornenfrei ist und zum Beispiel von Kindern gefahrlos direkt zum Verzehr geerntet werden kann.

Daher stelle ich mir vor, dass es geeignete Flächen bei Kindertagesstätten gibt, bei denen man Musterpflanzungen vornehmen kann, um dieses Obst ins Blickfeld der Menschen in Hamburg zu bringen. Initiativen des „urban gardening“ werden sicherlich Wegeränder finden, die sich für die Anlage von Spalieren eignen. Meinen Erfahrungen zufolge ist es möglich, für ein solches Projekt Mittel einzuwerben. Voraussetzung ist, dass eine realistische Kostenkalkulation (Kosten für das Rankgerüst und Pflanzgut) erarbeitet wird. Ziel wären Musterpflanzungen an geeigneten und sichtbaren Orten im Stadtgebiet.

Als Ergebnis des von Hubert Siegler von der LWG in Veitshöchheim geleiteten Bundesversuchs Kiwibeeren gibt es einschlägige Erfahrungen mit dem Anbau von Minikiwibeeren sowohl für den Erwerbsanbau als auch ausdrücklich für Hobbygärtner. Anhand des ausführlichen Berichtes ist es praktikabel alle notwendigen Informationen für Hobbygärtner im städtischen Raum in einem Faltblatt zusammenzufassen. Aber wie bei allen Neueinführungen wird es wichtig sein, Anbieter für das Pflanzgut in die Förderung des Anbaus von Minikiwibeeren im städtischen Raum mit Informationen einzubinden, vielleicht unter dem Motto Partner für „Mehr Obst in der StadtNatur“.